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Was ist der Unterschied zwischen Hörgeschädigt, Hörbehindert, Schwer­hörig, Spätertaubt und Gehörlos?

Als Hörgeschädigt, bzw. Hörbehindert bezeichnet man alle Schwerhörigen, Spätertaubten und auch Gehörlosen, es ist ein Überbegriff für Menschen mit Hörschädigungen, egal welcher Art.
Schwerhörig sind jene, die noch ein Restgehör zur Verfügung haben. Hier unterscheidet man wiederum zwischen leichtgradig, mittelgradig und hochgradig schwerhörig.
Als Spätertaubt bezeichnet man Menschen, die hörend geboren worden sind, jedoch ihr Gehör nach dem Spracherwerb verloren haben. Sie verfügen nicht mehr über ein Restgehör.
Als Gehörlose bezeichnet man Menschen, die gehörlos geboren worden sind, bzw. ihr Gehör vor dem Spracherwerb verloren haben.

Was bedeutet Schwerhörigkeit:
Schwerhörigkeit ist ein anderes, bruchstückhaftes Hören. Jeder Schwerhörige hört anders schlecht. In den Köpfen der meisten Menschen herrscht immer noch das Denkmodell, wenn jemand schwerhörig ist, hört er einfach nur leiser, dann muss ich lauter sprechen oder sogar schreien, damit der Schwerhörige mich versteht. Doch das stimmt oft nicht, die meisten hören einfach anders.

Hier eine kleine Übersicht, über verschiedene Hörarten:

   

                         Quelle: Jürgen Brackmann

Man unterscheidet zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungs-Beeinträchtigung:

    

                                                Quelle: Jürgen Brackmann


Das äußere Ohr:     1 und 2 - Ohrmuschel, Gehörgang

Das Mittelohr:         3 und 4 - Trommelfell, Gehörknöchelchen, Hammer, Ambos und Steigbügel, Ohrtrompete

Das Innenohr:         5 und 6 - Bogengänge, d. h. Gleichgewichtsorgan, Schnecke (Cochlea), Hörnerv und Gleichgewichtsnerv

Die Schallleitungs-Beeinträchtigung wird durch Erkrankungen des äußeren und des Mittelohres hervorgerufen. Man hört hohe, mittlere und tiefe Töne gleich leiser, also alle Töne um beispielsweise 40 dB leiser.

60 dB gehen ins Ohr, aber nur 20 dB werden gehört:

     

                        Quelle: Jürgen Brackmann

 Würde man hier einfach nur den Schall mit einem Mikrofon verstärken, würden die Töne alle gleichermaßen lauter. Dies ist sicher eine Hilfe für den Schwerhörigen, doch diese Art der Hörbehinderung ist nur wenig verbreitet.

Die meisten Schwerhörigen leiden unter einer Schallempfindungs-Beeinträchtigung. Sie wird durch Erkrankungen des Innenohres (und des Gehirns) hervorgerufen. Die meisten Ohrenerkrankungen betreffen das Innenohr bzw. das Gehirn. Hier hört man hohe, mittlere und tiefe Töne unterschiedlich leiser, z. B. hört man hohe Töne um 70 dB leiser, mittlere um 40 dB und tiefe Töne nur um 20 dB leiser.

x dB gehen ins Ohr, jedoch kommen verschiedene x dB an:

   

                         Quelle: Jürgen Brackmann

Würde man nun hier einfach die Lautstärke erhöhen, würden die hohen Töne zwar lauter, aber genauso bruchstückhaft, die mittleren gerade angenehm und die tiefen Töne übermäßig laut gehört. Die tiefen Töne würden alle anderen Töne überdecken. Eine bloße Verstärkung kann hier nicht helfen.

Folgendes Beispiel soll dies veranschaulichen, bitte versuchen Sie, diesen Text zu lesen:

     
                           Quelle: Jürgen Brackmann

 
bestimmt ist es Ihnen nicht gelungen, hier die Auflösung:

 

                          Quelle: Jürgen Brackmann

Sie sehen was es bedeutet, nur Bruchstücke wahrzunehmen. Vielleicht ist es Ihnen gelungen, den ersten Text zu lesen, doch wieviel Konzentration und Interpretationsgabe hat es benötigt, wie lange hat es gedauert im Vergleich zum unteren Text? Für Schwerhörige mit einer Schallempfindungs-Schwerhörigkeit gehört dieser Kraftaufwand zum täglichen Leben. Doch nicht jeder kann und will diese Kraft jeden Tag im Kampf um das Verstehen aufbringen. Er muss mühsam den Text kombinieren, während weitergesprochen wird, er läuft sozusagen ständig dem Text hinterher. Missverständnisse sind hier vorprogrammiert. Ein Schwerhöriger "hört" die Silbe "ein", doch tatsächlich wurde Bein, dein, fein, kein, klein, mein, nein, Pein, rein, etc. gesagt. Dies kann unter Umständen große Beeinträchtigungen und Nachteile herbeiführen.

Deshalb ziehen Schwerhörige sich oft zurück. Sie wollen nicht als dumm gelten, dauernd Stress aushalten, anderen zur Last fallen mit ihrer Fragerei "Was hast Du gesagt?", das Gefühl haben, ein Außenseiter zu sein.

Helen Keller, eine Frau, die taub und blind war, meinte:

Nicht sehen können trennt den Menschen von Dingen.

Nicht hören können trennt den Menschen von den Menschen.

Schwerhörigkeit führt oft in die Isolation. Sie ist das Hauptproblem der Schwerhörigen. Wir Menschen sind Kommunikationswesen. Wer keinen Austausch mehr hat, wird krank! Unser Ohr ist das Hauptorgan für die Kommunikation. Wenn das Ohr krank ist, leidet der ganze Mensch!

Jedoch kann man Schwerhörigkeit nicht sehen, schon gar nicht, wenn der Mensch ganz normal sprechen kann.

Aufgrund dieser Undeutlichkeit haben es schwerhörige Menschen auch dementsprechend schwer in ihrem Alltag, es ist nichts zu sehen, sie sprechen ganz normal und die meisten "tun so", als ob sie alles verstehen. Da der Schwerhörige zwar gehört, aber nicht verstanden hat, wird sein Verhalten darauf oft fehlinterpretiert. Nicht-Reagieren wird als Nicht-Wollen interpretiert.

Wer schlecht hören kann, versteht nicht;

wer nicht versteht, begreift wenig;

wer wenig begreift reagiert nicht oder anders;

wer nicht oder anders reagiert, wird nicht ernst genommen.

Man wendet sich von ihm ab und denkt sich seinen Teil. "Wer nicht hören will, muss fühlen"

Es wurden schon Schwerhörige als dement eingestuft, weil der Notarzt das Hörgerät auf dem Nachttisch weder gesehen, geschweige denn mitgenommen hat und der Patient schlicht nicht hören konnte, was der Arzt wollte.

Man ist zwar dabei, aber nicht mittendrin, man wird nicht mehr ernst genommen, nicht mehr eingeladen. Der Schwerhörige seinerseits nimmt seine eigene Schwerhörigkeit dadurch auch sehr schlecht an, leidet darunter und zieht sich letztendlich zurück, isoliert sich. Die Schwerhörigkeit, die Konzentration darauf, dass man so viel wie möglich versteht, war den ganzen Tag so mühselig und man ist deshalb am Abend erschöpft und müde. Schwerhörigkeit ist ein Makel, ein Hörgerät eine Alterserscheinung. Eine Brille ist schick, aber ein Hörgerät macht alt. Dabei gibt es auch schon farbige Hörgeräte.

Alles hängt vom Grad und der Art der Schwerhörigkeit ab. Dabei spielt es auch eine Rolle in welchem Lebensalter die Schwerhörigkeit zum ersten Mal auftritt, sowie die psychische Konstitution des Einzelnen. Viele bekennen sich nicht dazu und leiden darunter. Die soziale Einbindung in Familie und Gesellschaft ist wichtig. Je weniger Kontakt sie haben, desto schwerer ist es auch für sie damit umzugehen. Ein großes Problem ist die Selbstisolierung, das Unverständnis der Gesellschaft. Aber auch die Behinderten müssen aktiv werden. Manche gehen nicht zu Terminen oder Ämtern, weil dort aufgerufen wird und sie das nicht hören. Schwerhörige haben dann oft keine Lust mehr, sich deswegen mitzuteilen und um Verständnis zu bitten, weil sie das dauernd tun müssen.

Das Leben mit Hörgeräten ist nicht unbedingt besser. Hörgeräte unterstützen nur das Resthörvermögen, also das was noch da ist. Ein Nachteil ist, dass eine typische Rückkoppelung mit schrillem Pfeifton erzeugt wird, wenn ein normal Hörender den Schwerhörigen anbrüllt, weil er glaubt, dass er ihn dann besser hören könne. Oft liegt das Hörgerät deshalb einfach nur in der untersten Schublade.

Nachfolgend einige Verhaltensweisen, wie Sie den Schwerhörigen wirklich gut unterstützen können:


Quelle: Jürgen Brackmann